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Δεκέμβριος 3, 2008

Mazedonien darf nich Zein

Filed under: Uncategorized — Takis Michas @ 4:16 μμ

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung (02/12/2008)

             Mazedonien darf nich Zein

 

Seit vielen Jahren schon steht der griechische Publizist Takis Michas in seiner Heimat mitunter auf verlorenem, zumindest aber auf einem sehr einsamen Posten. Als er es 1993 in einem Nebensatz seiner damaligen Zeitungskolumne wagte, Alexander den Großen einen «erbärmlichen Menschenschlächter» zu nennen, war die Aussage des damaligen Generalsekretärs der jetzigen Regierungspartei Nea Dimokratia, Michas sei ein «Vaterlandsverräter», noch die harmloseste, fast spielerische Reaktion auf die zugespitzte Äußerung. Ein Parlamentsabgeordneter forderte, Michas solle verhaftet und ausgebürgert werden, ein anderer schlug vor, ihn durch eine öffentliche Tracht Prügel zur Räson zu bringen.

Als Michas dann im Jahr 2002 in den Vereinigten Staaten sein Buch «Die unheilige Allianz. Griechenland und Milosevics Serbien» veröffentlichte, in dem er die Verstrickung von Teilen der politischen Elite Athens in das serbische Regime beschrieb, hatte er seinen Ruf als antihellenischer Nestbeschmutzer vollends gefestigt. Das Griechenland, auf das der Leser in den Essays, Artikeln und Büchern von Michas stößt, unterscheidet sich erheblich von dem harmlosen, blauweiß gestreiften Alexis-Zorbas-Phantasialand mit Sonnenstand, Akropolis und Athen als Zugabe, als das es in der Tourismuswerbung verkauft und immer wieder gern genommen wird. Michas’ Griechenland ist eine vom Nationalismus durchdrungene Gesellschaft, in der es rasch sehr ungemütlich werden kann für jene, die am blauweißen Selbstdarstellungslack kratzen. Ganz allein steht er nicht mit dieser Einschätzung:

Der an der Aristoteles-Universität Thessaloniki lehrende Soziologe Michael Kelpanides sprach einmal von zutiefst nationalistischen und antiwestlichen Haltungen bei den linken und rechten Eliten des Landes, kombiniert mit einem «extrem nationalistischen Geist» der Bildungsinhalte, «dessen Vehemenz in ganz Westeuropa einzigartig ist».

In diesen Tagen nun steht Michas wieder einmal in der vordersten Linie einer für Außenstehende zunächst bizarr anmutenden Debatte, die mittelbar auch mit dieser Zeitung im Zusammenhang steht. Vor zwei Wochen veröffentlichte die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» eine Reportage über die slawische Bevölkerungsgruppe im Nordwesten Griechenlands an der Grenze zu Mazedonien, in der auch Michas zitiert wird. Da der nationale Konsens in Griechenland es jedoch so will, dass es eine mazedonische Minderheit nicht gibt und nie gegeben hat, stoßen Berichte über die slawischen Mazedonier im Norden des eigenen Landes in Athen meist auf viel Beachtung und Empörung. Das griechische Programm der «Deutschen Welle» fasste den Artikel in einer Presseschau zusammen, in der es abschließend heißt: «Der Artikel beinhaltet sogar die Ansicht des Journalisten Takis Michas, laut der der griechische Staat die ,mazedonische Minderheit’ nicht anerkennt, weil er befürchte, dass viele ,Slawomazedonier’ auf gerichtlichem Wege ihre Vermögen fordern könnten, die nach dem Bürgerkrieg von 1946/1949 konfisziert wurden.»

Eine solche Aussage findet sich sinngemäß tatsächlich in dem Artikel, jedoch stammt sie nicht von Michas. Geäußert hatte sie ein in Deutschland als Mazedonier mit slawischem Hintergrund unter griechischem Namen lebender Geschäftsmann, der aus Rücksicht auf seine Angehörigen in Nordgriechenland darum gebeten hatte, nicht namentlich zitiert zu werden. Nachdem die «Deutsche Welle» diese Einschätzung jedoch Takis Michas zugeschrieben hatte, entwickelte das falsch zugeordnete Zitat ein für den vermeintlichen Urheber widriges Eigenleben. «Athener Radiosender berichteten, meine Äußerungen hätten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Zur gleichen Zeit tauchten Texte im Internet dazu auf», sagt Michas. Das sei nicht so harmlos, wie es klingen möge, fährt er fort, denn er musste in seiner Karriere als Folge seiner Ansichten oft Rückschritte in Kauf nehmen: «In jedem normalen europäischen Staat wäre diese Art der Fehlinformation ein harmloser Fehler. In Griechenland jedoch, wo der extreme Nationalismus die dominierende Ideologie ist, die alle Bereiche des öffentlichen Lebens beeinflusst, kann so etwas sehr nachteilige berufliche Auswirkungen haben.» Übrigens hat die «Deutsche Welle» den Fehler inzwischen auf ihrer Internetseite korrigiert.

Erst im vergangenen Monat hatte dies der Fall von Grigoris Valianatos demonstriert, einem altgedienten Mitarbeiter der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) von Oppositionsführer Andreas Papandreus. Valianatos hatte seit 1985 als Medienberater für die Pasok gearbeitet, war aber in einem Fernsehinterview so unvorsichtig gewesen, für das Recht Mazedoniens einzutreten, unter seinem verfassungsmäßigen Namen von der Staatengemeinschaft anerkannt zu werden. Damit legte er sich quer zur Politik von Ministerpräsident Kostas Karamanlis, die auch von der Opposition unterstützt wird. So hatte Griechenland auf dem Gipfel der Nato in Bukarest im April dieses Jahres die Aufnahme Mazedoniens in die Allianz verhindert. Athen will auch die weitere Annäherung Mazedoniens an die EU blockieren, wenn das Land seinen Namen nicht ablegt. Grigoris Valianatos ging in dem Fernsehinterview sogar noch weiter und stellte fest, dass es eine mazedonische Minderheit in Griechenland gebe. Zur Sicherheit stellte er allerdings klar, dass es sich dabei um seine private Ansicht handele, keinesfalls um die seiner Partei. Doch schon am nächsten Morgen musste er erfahren, dass es in Griechenland auch privat nicht empfehlenswert ist, eine mazedonische Minderheit für existent und das Recht der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien auf seinen Staatsnamen für selbstverständlich zu halten. Valianatos wurde von seinem Posten entlassen. Der Fall Valianatos sei bezeichnend, so Michas. Nach einem Vierteljahrhundert als Journalist in Griechenland sei er zu dem Schluss gekommen, dass es bei der Berichterstattung über die sogenannten «nationalen Themen» oft nicht um Objektivität gehe, sondern darum, die «national korrekte» Sichtweise zu reproduzieren. Ein Abweichen davon könne kostspielig sein, sagt er und erinnert an den Fall eines Journalisten in Thessaloniki, der vor einigen Jahren seine Stellung verlor, nachdem er über Greueltaten griechischer Soldaten geschrieben hatte. Es ging dabei um den griechischen Unabhängigkeitskrieg von 1821.

MICHAEL MARTENS

 

 

 

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